Der Rogue Cut von X-Men: Zukunft ist Vergangenheit verändert den Film radikal.
Viel mehr Filmmaterial
In meinem Vorhaben, alle Superheldenverfilmungen ab dem Jahr 1998 an zu rezensieren, bin ich mittlerweile im Jahr 2014 angekommen. Hier haben sich einige Sachen getan. Nicht nur ist dies die Zeit, in der inzwischen Marvel mit seinen Filmen dominiert und DC dabei ist, versucht, ein ähnliches Universum aus dem Boden zu stampfen. Ebenso gibt es in dieser Zeit deutlich weniger alternative Cuts.
Eine löbliche Ausnahme bildet der Rogue Cut zu X-Men: Zukunft ist Vergangenheit. Wobei diese Version den Kinofilm enorm verändert. In Zahlen ausgedrückt: Die ursprüngliche Kinofassung hat eine Laufzeit von circa 132 Minuten. Der Rogue Cut hat eine Laufzeit von 149 Minuten, was also bedeutet, dass hier insgesamt 17 Minuten an zusätzlichem Material hinzugefügt wurde.
Ein kleiner Hintergrund: Als die Kinofassung von X-Men: Zukunft ist Vergangenheit herauskam, wurden nahezu alle Szenen von Anna Paquin als Rogue gecuttet. Als Grund wurde angegeben, dass sie einfach nicht mehr in den Film reinpassten. Weshalb es nur zu einem kleinen Cameoauftritt der Schauspielerin in ihrer Rolle am Ende kam.
Nicht nur Deleted Scenes
Allerdings kam es dann zu einer Art Bewegung. Die am Ende dazu führte, dass eben dieser Cut doch releast wurde. Wo sich herausstellte, dass dieser nicht einfach nur ein paar Deleted Scenes war, die irgendwie drangeklatscht worden sind. Sondern dass ebenfalls der eigentliche Kinofilm mit verändert worden war.
Im Jahr 2023 ist die Menschheit und damit auch die Mutanten nahezu ausgerottet. Nur kleine Gruppen überleben, darunter ebenso eine, die von Kitty Pryde angeführt wird. Diese verdankt ihr Überleben der Fähigkeit Prydes, den Geist einer anderen Person durch die Zeit zurückzuschicken. Als eine Gruppe um Professor X hinzukommt, wird der Plan gefasst, den Geist von Wolverine durch die Zeit nach 1973 zu schicken, um so die dunkle Zukunft zu verhindern.
Als dieser in dem Jahr ankommt, macht er sich auf den Weg, um den damaligen Professor X aufzusuchen. Doch dieser ist nach den Ereignissen vor einigen Jahren ein gezeichneter Mensch. Er kann nur dank einer Droge laufen und hat dabei seine Fähigkeiten verloren. Allerdings muss er sich wieder besinnen und helfen, seine Schwester Mystique aufzuhalten, ehe sie vor laufender Kamera den Präsidenten der Vereinigten Staaten tötet.
Wie einst bei Daredevil
Bereits die Kinofassung von X-Men: Zukunft ist Vergangenheit war grandios. Doch mit dem Rogue Cut wird gefühlt nochmal eine Schippe draufgelegt. Wenn ich einen Cut auswählen müsste, der einen Film ähnlich massiv verändert, dann ist es der Daredevil: Director’s Cut, der noch dazu damals einen mittelmäßigen Film in einen sehr guten verwandelte.
Was jetzt die neue Fassung dieses X-Men-Films macht, ist unter anderem den Charakteren mehr Tiefe geben. Als zum Beispiel darüber diskutiert wird, ob und welche Person man durch die Zeit schicken soll. Was im Original relativ schnell abgehandelt wurde, wird jetzt zu einer richtigen Debatte, bei der ebenfalls Figuren zu Wort kommen, die in der ursprünglichen Fassung Randcharaktere waren. Blink und auch Storm erhalten beispielsweise mehr Zeilen, durch die ihre Charaktere mehr Profil kriegen.
Doch am wichtigsten ist die zehn Minuten lange Sequenz, in der man mehrere Sachen sieht. Zum einen, wie Iceman, der alte Magneto und der alte Professor X Rogue aufspüren und befreien. Wobei das gegengeschnitten ist zu der Szene, in der der junge Magneto seinen Helm wiederholt. Und zum anderen, wie Beast und Mystique miteinander reden.
Eine lange, neue Sequenz an Szenen
Man kann jetzt darüber streiten, ob die Begründung, wieso Rogue in der Zukunft jetzt doch am Leben ist, ohne, dass dies alle mitgekriegt haben, glaubhaft ist. Aber am Ende ändert es nichts daran, dass diese zusätzliche Sequenz in der zweiten Hälfte den Kinofilm massiv verändert. Wie massiv?
Viele Dinge ändern sich. Iceman stirbt wesentlich früher und Rogue löst Kitty ab, als diejenige, die Logan in der Vergangenheit hält. Auch das Gespräch zwischen Beast und Mystique ist grandios, weil es zeigt, wie unterschiedlich sie Dinge sehen, wo ihre jeweiligen Loyalitäten liegen. Aber ebenso, wie sie persönlich zueinanderstehen. Sie mögen sich, das ist klar. Doch es zeigt ebenfalls besonders schön, zu was dieser ideologische Konflikt zwischen Magneto und Professor X führt, nämlich dass die Trennlinien dann auch durchs Private gehen.
Mehr Szenen, mehr Profil, mehr Spannung: Der Rogue Cut von X-Men: Zukunft ist Vergangenheit ist ein Must-Have und Must-See.
Info
Regie: Bryan Singer
Drehbuch: Simon Kinberg; Story von Jane Goldman, Simon Kinberg und Matthew Vaughn
Produzent: Bryan Singer, Lauren Shuler Donner, Simon Kinberg, Hutch Parker
Hauptdarsteller: Hugh Jackman, James McAvoy, Michael Fassbender, Jennifer Lawrence, Halle Berry, Anna Paquin, Elliot Page, Peter Dinklage, Ian McKellen, Patrick Stewart
Kamera: Newton Thomas Sigel
Schnitt: John Ottman
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