In Upper Decks stehen die Führungsoffiziere der Cerritos im Mittelpunkt des Geschehens.

Fokus auf die Brückencrew

Die Cerritos hat in einem Asteroidengürtel Halt gemacht, in dem eine friedliche Spezies auf dem Entwicklungsniveau von Kühen lebt. Diese sollen untersucht werden. Und während dies geschieht, sind Boimler (Jack Quaid), Tendi (Noël Wells) und die anderen mit Kürbisschnitzen beschäftigt. Sie wundern sich, was eigentlich die Brückencrew die ganze Zeit macht.

Nun, auch diese ist beschäftigt. Captain Carol Freeman (Dawnn Lewis) arbeitet eine To-Do-Liste ab, in der Hoffnung auf einen freien Abend auf dem Holodeck. Doctor T’ana (Gillian Vigman) versucht nach vielen Beschwerden über sie herauszufinden, wie sie Schmerzen empfindet. Und Commander Ransom (Jerry O’Connell) versucht eine Gruppe von Ensigns dazu zu motivieren, an einem Strang zu ziehen, wenn auch mit eher ungewöhnlichen Mitteln.

In Star Trek – Lower Decks standen bislang diejenigen im Mittelpunkt, die Unterdeckler waren. Die nicht Teil der Brückencrew waren, sondern in der Offiziersrangliste weit unten angesiedelt sind. Eben diejenigen, die in den anderen Star Trek-Serien allerhöchstens am Rande gestreift werden.

Das Serienprinzip auf den Kopf gestellt

Das hat auch den Charme der Reihe ausgemacht. Doch mit Upper Decks wird nun das Grundprinzip der Serie auf den Kopf gestellt. Diese Folge fokussiert sich jetzt auf die Offiziere, die in dieser Streamingserie nur gestreift werden und selten im Mittelpunkt des Geschehens stehen. Nur, dass das in diesem Film eher die Mitglieder der Führungscrew des Schiffes ist.

Was folgt ist eine Episode, die mal wieder zeigt, was Lower Decks ausmacht: jede Menge Humor, aber auch viele überraschende Entwicklungen, sowie Respekt vor den Figuren. Dabei geht es teilweise sogar richtig ernst zur Sache. So sieht sich Shax wortwörtlich mit einem Geist aus der Vergangenheit konfrontiert, den er im wahrsten Sinne des Wortes niederringen muss, um weiter normal leben zu können. Derweil die Handlung um Dr. T’Ana stellenweise sehr heftig ist.

Es sind also im Prinzip fünf verschiedene Plots, die nebeneinander her laufen. Und wo andere Reihen schon von vorneherein das Handtuch geschworfen hätten, weil daraus eine zusammenhängende Folge zu erschaffen auf den ersten Blick nicht möglich erscheint, stürzt sich Lower Decks geradezu auf diese Herausforderung. Und meistert sie nahezu mit Bravour.

Fünf Handlungen parallel? Kein Problem

Es ist wirklich faszinierend, wie spielend einfach es Upper Decks erscheinen lässt, dass diese fünf Handlungen parallel zueinander laufen. Wobei der Grund, wieso dieses Kunststück gelingt, auch darin liegt, dass sie am Ende zusammenlaufen und im Hintergrund langsam aber sich eine große Bedrohung aufgebaut wird. Denn ein grazeritischer Wissenschaftler, der an Bord kommt, um die im System vorkommende Spezies zu untersuchen, ist in Wahrheit jemand anderes, jemand, der der Föderation nicht wohl gesinnt ist.

Es ist dabei wie üblich: Lower Decks badet förmlich im Absurden. Wenn man sieht, wie eine von Commander Ransoms Motivationsversuchen in einem Workout endet. Oder wenn Shax in seinem Bemühen, sein Traumata der Vergangenheit wortwörtlich niederzuringen, so ganz nebenbei die Invasoren plattmacht, ohne es mitzukriegen. Oder wie Captain Freeman ohne mit der Wimper zu zucken die langweiligsten und absurdesten Präsentationen über sich ergehen lässt.

Doch gleichzeitig kombiniert es das Absurde ebenso mit dem Grandiosen. Mit viel exzellenter und stellenweise auch überraschender Charakterarbeit. Denn es zeigt sich beispielsweise, dass Jack Ransoms oberflächlicher Charakter stellenweise nur gespielt ist. Ein Mittel zum Weg, um seine Untergebenen dazu zu bringen, an einem Strang zu ziehen. Oder aber als Captain Freeman am Ende der Episode überraschend Besuch von ihrem Ehemann anlässlich ihres Hochzeitstags kriegt.

Es wird Meta

Dass die üblichen Protagonisten hier zu Randcharakteren verkommen, stört nicht. Im Gegenteil: Gerade dadurch, dass Mariner und Co. in Upper Decks nur Charaktere sind, die die Klammern für die Story bilden, macht diese Episode so grandios. Sie sind dadurch Gastcharaktere in ihrer eigenen Serie und kommentieren dies dann auch entsprechend. Was natürlich ein wunderbarer Meta-Humor ist.

Dennoch gibt es einen Wermutstropfen in dieser ansonsten exzellenten Reihe: Der übergreifende Plot mit den Quantenrissen wird nicht wieder aufgegriffen und fortgeführt. Was angesichts der Tatsache, dass nur noch zwei Episoden verbleiben, einen doch nachdenklich macht, ob am Ende auch wirklich alles mit dieser Handlung hinhauen wird. Man wird es sehen.

Doch davon abgesehen ist dies eine grandiose Folge, die einfach nur Spitzenklasse ist.

Info

Drehbuch: Cullen Crawford
Showrunner: Mike McMahan
Regie: Bob Suarez


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Warpskala

Warpskala
10 10 0 1
10/10
Total Score
Götz Piesbergen

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