Mit Die Verschwörer von Kalare vollzieht Jim Butcher in seiner Codex Alera-Reihe einen kleinen Genrewechsel.
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Aus Epic wird Epic Military
Tavi ist jetzt seit zwei Jahren offizieller Spion von Gaius Sextus, dem ersten Fürst. Sein neuster Auftrag hat es allerdings in sich. Er soll sich in eine frisch gegründete Legion schleichen. Was insofern ein Problem ist, als dass er ja über keine Elementarkräfte verfügt.
Doch das ist eh bald egal. Denn mit einem Schlag wird die Legion nahezu sämtlicher Führungsoffiziere beraubt. Womit es auf Tavi ankommt, die Führung der Armee zu übernehmen. Was insofern herausfordernd wird, als dass die wolfsähnlichen Canim an den Küsten Aleras anlanden und einen Eroberungsfeldzug beginnen. Und er und seine Legionäre sind die Einzigen, die diese aufhalten können.
Bislang war die Codex Alera-Reihe vor allem Epic Fantasy. Es wurde hier ein groß angelegter Plot erzählt, wo ein menschlicher Held – in diesem Fall Tavi – sich auf eine Reise begab und dabei langsam heranreift. Die Verschwörer von Kalare deckt dieses Genre zwar immer noch ab. Aber dieses Mal wird zusätzlich der Aspekt der Military Fantasy verstärkt hervorgehoben.
Mehr Charakterisierungen
Denn dadurch, dass Tavi zu Beginn des Romans Teil einer Legion wird, sieht man umso mehr, wie das Leben eines solchen aussieht. Man liest auch vielmehr militärische Auseinandersetzungen. Und es geht hier mächtig zur Sache. Waren schon die früheren Bände der Reihe nicht gerade harmlos, ist die Darstellung der Gewalt in diesem Buch noch extremer.
Doch Jim Butcher hat diesen kleinen Genre-Wechsel nicht einfach so vollzogen. Im Gegenteil: Er lässt seine Figuren hierdurch noch mehr wachsen. Und füllt dabei kleinere Lücken in den Charakterisierungen seiner Charaktere.
So erfährt man endlich mehr über das Familienleben von Marcus, Tavis Freund. Man wusste bereits aus dem letzten Band, dass das Zusammenleben mit dieser nicht eben einfach war. Jetzt erfährt man auch den Grund dafür, als man zum Beispiel seinen Bruder Crassus kennenlernt. Und ohne zu viel zu spoilern: Was hier geschrieben wird, erklärt so einiges von Marcus Persönlichkeit.
Ein langweiliges Verhalten
Doch auch die Gegenseite wird gut dargestellt. Man konnte ja bereits in Im Schatten des Fürsten einiges über die Canim erfahren. Und das wird hier weiter ausgebaut. Sie sind fremdartig, sowohl vom Aussehen, wie ebenfalls vom Verhalten her. Sie haben andere Werte. Und doch sind sie eben nicht nur der Feind. Jim Butcher bemüht sich sehr, dass auch sie gut charakterisiert werden, so dass sie im Laufe des Bandes deutlich mehr Profil erhalten und eben nicht nur die bloßen Antagonisten sind.
Wie es bei Jim Butcher üblich ist, erhält hier jede wichtige Figur einen Plot, in dem sie sich weiterentwickeln kann. Neben Tavis Onkel Bernard, der einmal mehr in die Pläne des ersten Fürsten verwickelt wird, ist es auch seine Tante Isana, die wieder ein Mal im Zentrum des Geschehens steht.
Wobei allerdings dies auch der einzige Nebenplot ist, der nicht so gefällt. Denn in einer Stadt, die von dem abtrünnigen Fürsten Kalare angegriffen wird, versucht sie alles, um den ehemaligen Sklaven und jetzigen Geliebten Faede zu retten. Diese Handlung wirkt langatmig und langgezogen. Sie gefällt nicht, sie langweilt einen. Weil es ebenso nicht zu der Persönlichkeit Isanas passt, dass sie alles Leid ignoriert, nur um eine einzige Person zu retten, auch wenn diese ihr nahesteht.
Ein nicht ganz so runder Übergang
Dass das Militärische jetzt mehr im Mittelpunkt des Geschehens steht, wirkt ebenfalls noch nicht ganz rund. Es ist ein Wechsel, der Momente hat, wo man merkt, dass Jim Butcher hier noch nicht so ganz den Stil gefunden hat, in dem er die Story verfassen wollte. Erst im Laufe der Handlung findet der Autor wieder zu der Qualität zurück, die ihn bislang schon immer auszeichnete.
Die Verschwörer von Kalare ist dabei, trotzt aller Schwächen, ein großartig zu lesender Roman.
Infos
Autor: Jim Butcher
Titel: Codex Alera 03 – Die Verschwörer von Kalare
Originaltitel: Book Three of the Codex Alera. Cursor’s Fury
Übersetzer: Andreas Helweg
Verlag: Blanvalet
Erschienen: 10/2015
Einband: Taschenbuch
Seiten: 640
ISBN: 978-3-442-26412-4
Sonstige Informationen:
Produktseite
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