Mit einem eher ungewöhnlichen Ansatz versucht die Serie die Fehler des Kinofilms zu vermeiden.
Die Hoffnung ist Grün
Green Lantern gilt als eine der schlechtesten Comicadaptionen aller Zeiten. Der Film mit Ryan Reynolds in der Hauptrolle war ein massiver Flop. Was viele Gründe hatte, darunter auch miese Special Effects.
Und trotzdem ist es überraschend, dass man seitens DC weiterhin auf eine Adaption setzte. Allerdings nicht als Kinofilm. Sondern vielmehr sollte es dieses Mal eine Serie werden, an der jedoch einige der Leute, die bereits am Leinwandabenteuer mitgewirkt hatten, ebenfalls mitwirkten. Die Reihe war für zehn Episoden konzipiert worden und sollte nicht Hal Jordan und John Stewart nutzen, da diese für das damalige Kinouniversum reserviert waren. Stattdessen sollten andere Lanterns im Mittelpunkt des Geschehens stehen.
Das Konzept wurde weiterentwickelt, so das irgendwann der homosexuelle Alan Scott, ein FBI-Agent aus dem Jahr 1941 und Guy Gardner, ein Repräsentant des Hyperpatriotismus der 1980er, im Mittelpunkt des Geschehens stehen sollten. Es stand fest, dass die Reihe sehr teuer sein würde. Allerdings setzte man seitens des Studios weiterhin auf die Serie. Es wurde ein Writersroom zusammengestellt und die ersten Darsteller gecastet. 2022 sollten die Dreharbeiten anfangen.
Ungewöhnliche Ideengeber
Doch dann änderten sich die Pläne. 2022 verschmolzen WarnerMedia und Discovery Inc. zu Warner Bros. Discovery und alle bisherigen Pläne wurden über den Haufen geworfen. Stattdessen wurden James Gunn und Peter Safran als die neuen kreativen Leiter der DC Studios vorgestellt. Und die Serie durchlief einen Soft Reboot.
James Gunn selbst machte dann auch klar, dass die Reihe einen wichtigen Part in der ersten Phase des DC Cinematic Universe spielen sollte. Gleichzeitig sollte sie kein Weltraumabenteuer werden, sondern eher bodenständig sein. Als Inspirationsquelle wurden unter anderem True Detective oder Slow Horses genannt, was Krimi und Spionagethrille-Reihe sind. Aber keine SciFi oder Superheldenserien.
Die Serie wurde von Damon Lindelof (Star Trek Into Darkness), dem Comicbuchautoren Tom King (Wonder Woman) und Chris Mundy (Ozark) entwickelt. Letzterer wurde zum Showrunner, derweil dieses Trio die Serienbibel schrieb. Die Reihe, die von nun an Lanterns hieß, sollte acht Episoden umfassen.
Die Aliens sind mitten unter uns
Der Maincast umfasste folgende Darsteller: Kyle Chandler (Godzilla: King of the Monsters) wurde zu Hal Jordan, derweil Aaron Pierre (Krypton) den Zuschlag für John Stewart erhielt. Als Sheriff Kerry Kane wurde die Schottin Kelly Macdonald (Trainspotting) gecastet, deren Schwiegervater William Macon durch Garret Dillahunt (Terminator: The Sarah Connor Chronicles) zum Leben erweckt wurde. Dessen Ehefrau Zoe Macon durch Poorna Jagannathan (Deli Boys) dargestellt wurde. Den Maincast abrunden sollte der Däne Ulrich Thomsen (Banshee) als Thaal Sinestro. Derweil Nathan Fillion seine Rolle als Guy Gardner aus Superman wieder aufnehmen sollte.
Im Jahr 2016 „trainiert“ Hal Jordan John Stewart als neue Green Lantern. Wobei seine Lehrmethoden äußerst unkonventionell sind. Doch dann kriegt John eine Art Memo eines jüngeren Hals mit, der sein Älteres ich darüber informiert, dass es in Rushville Nebraska Aliens geben würde. Woraufhin beide dorthin reisen.
Vor Ort angekommen finden sie heraus, dass es ein Massaker gab. Die örtliche Polizei mauert allerdings, was die Hilfe bei den Ermittlungen angeht. Weshalb Hal unkonventionell vorgeht. Zunächst scheint es so, als ob der Verdacht der Green Lanterns nicht stimmt. Bis er sich deutlich bestätigt.
Fehler müssen vermieden werden
Die Erwartungshaltung an Lanterns ist enorm. Nicht nur muss die Serie die Fehler des Kinofilms vermeiden. Ebenso muss sie auch so überzeugen, dass nicht der Verdacht aufkommt, dass das aktuelle DC Cinematic Universe schon wieder kurz vorm Scheitern ist, nachdem ja Supergirl massiv gefloppt ist. Was insofern schwierig war, als dass der allererste Trailer anscheinend alles tat, um die Farbe Grün, die für die Figur so wichtig ist, zu vermeiden.
Pilot schafft es, diese Bedenken beiseite zu wischen. Es ist ein grandioser Auftakt, der für die kommenden Folgen viel verspricht. Weil er auf eine Art und Weise endet, die man so nicht hat kommen sehen.
Die Idee, die Reihe bodenständig zu inszenieren, mit minimalsten Special Effects, hätte auf dem Papier nicht funktionieren können. Eben weil Green Lantern in den Comics von Aliens und Ringkonstrukten lebt. Doch diese beiden Elemente werden sehr spärlich eingesetzt. Stattdessen fokussiert sich die Pilotfolge auf die Figuren sowie das Mysterium um das, was in Rushville geschieht.
Furchtlos zu sein ist nicht unbedingt von Vorteil
Beide, Hal Jordan und John Stewart, werden als furchtlos dargestellt. Wobei der Grund für ihre Furchtlosigkeit unterschiedlicher Natur ist. Hal hat schon vieles erlebt, vor allem als Testpilot und als Green Lantern. John selbst wurde seine Furcht bereits als Kind ausgetrieben. Wenn er als kleiner Junge sich wie bei Wilhelm Tell hinstellen muss, damit sein Vater ihm einen Apfel vom Kopf schießen kann, ohne, dass er dabei auch nur irgendwie das Gesicht verzieht, ahnt man schon, was das mit ihm macht.
Im Prinzip deutet die Episode an, dass die Furchtlosigkeit der beiden nicht nur Vorteile hat. Sondern sie gewissermaßen auch geistesgestört sind. Sie sind keine normalen Personen mehr, sondern riskieren freiwillig vieles, um ihre jeweiligen Pläne voranzutreiben.
Gleichzeitig stellen sich aber ebenfalls Fragen. Wenn normalerweise nur eine Green Lantern pro Sektor aktiv ist und es auch keine Auszubildenden gibt, wieso ist dann John Stewart ein Lehrling? Wieso hat er keinen eigenen Ring, sondern kriegt „nur“ immer wieder den von Hal Jordan? Eine Antwort bleibt natürlich aus, wird aber hoffentlich noch im Laufe der Staffel erfolgen.
Lebe lieber ungewöhnlich
Interessant ist übrigens, wie Hal Jordan dargestellt wird. Er gibt sich als jemand, der das Leben locker nimmt. Der es anscheinend mag, dass die Öffentlichkeit ihn verehrt. Der aber auch gleichzeitig jemand ist, der, wenn er einen Verdacht oder einen Plan hat, sich darin förmlich verbeißt und nicht davon ablässt. Und der, um ans Ziel zu kommen, gerne Mal ungewöhnliche oder komplexe Wege geht.
Um beispielsweise an einen vermeintlichen Alien zu kommen, der im Gefängnis sitzt, zettelt er eine Kneipenschlägerei an. Bei der er verhaftet wird. Was dann am Ende auch nur ein Bestandteil eines komplexen Planes ist, mit dem er es schafft, sein Vorhaben umzusetzen und den Außerirdischen zu verhören.
John Stewart ist dabei mehr oder weniger hilfloser Zeuge. Immer wieder wird er von den neusten Entwicklungen überrumpelt, muss mit ansehen, wie Hal beispielsweise einen Geldschein erschafft, um eine Musicbox zum Laufen zu bringen. Oder wird von seinem Mentor mitten in einem fahrenden Fahrzeug alleine gelassen und muss improvisieren. Man spürt einen gewissen Frust, wenn es um die Interaktion mit seinem Mentor geht.
Was für ein Ende!
Aber gleichzeitig bemüht sich die Serie auch zu zeigen, dass man es hier nicht mit perfekten Figuren zu tun hat. Sondern mit Charakteren, die Ecken und Kanten haben. Man hat eben einen Hal, der es mit Recht und Ordnung nicht so genau nimmt. Oder einen John, der eine wildfremde Frau vögelt, nur um dann festzustellen, dass diese in Wahrheit verheiratet ist.
Derweil im Hintergrund das Rätsel um die Aliens weiterläuft. Über weite Teile der Episode bleibt unklar, ob Hals Warnung an sich selber der Wahrheit entspricht oder einer nennenswerten Basis entbehrt. Nur um dann am Ende eine eindeutige Antwort zu erhalten. Wo gleichzeitig ein weiteres Mysterium aufgemacht wird. Nämlich, wer diese Außerirdischen sind und was sie vorhaben? Auch hier muss man die kommenden Episoden abwarten.
Es ist wirklich erstaunlich. Man erwartet eine specialeffectslastige Folge, erhält allerdings eine Episode, die damit sehr sparsam umgeht. Die sich zwar zu den Comicwurzeln bekennt. Sie jedoch längst nicht so offensiv einbaut, wie beispielsweise eine Peacemaker-Reihe. Als Comicfan müsste man im Prinzip enttäuscht sein. Ist es am Ende dann aber nicht. Weil der Auftakt spannend und großartig geworden ist.
Info
Regie: James Hawes
Drehbuch: Chris Mundy & Damon Lindelof & Tom King
Showrunner: Chris Mundy
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